Hände Weg von der Zelle!!! Stellungnahme der Bildungsstreikgruppe Reutlingen

3 03 2012

Solidarität mit der Zelle! Selbstverwaltung erhalten und erweitern!

Als wir, die Bildungsstreikgruppe Reutlingen, vor einiger Zeit erfuhren, dass die Stadtverwaltung Reutlingen und insbesondere das Ordnungsamt offensichtlich vorhaben die Zelle in ihrer heutigen Form zu zerstören, waren wir entsetzt.

Dass die Zelle der Reutlinger Stadtverwaltung ein Dorn im Auge ist, ist ja ein alter Hut.

Die Zelle als Ort der Selbstverwaltung, der Gegenkultur und gesellschaftlicher Gegenentwürfe, unabhängig, unkontrollierbar, kreativ chaotisch und schon rein optisch von der Reutliner Tristesse verschieden, passt nicht in das Bild des ordentlichen, strebsamen, investorenfreundlichen Wirtschaftsstandorts, das die Reutlinger Stadtverwaltung abgeben will.

Der aktuelle Versuch ist aber besonders erschreckend, da die Stadtverwaltung versucht, das „Problem“ Zelle einfach wegzuverwalten und nicht einmal die politische Auseinandersetzung wagt. Dreist ist auch, dass einem von Jugendlichen und jungen Erwachsenen ehrenamtlich und eigenverantwortlich seit über 42 Jahren betriebenem Jugend- und Kulturzentrum Gewinnerzielungsabsichten unterstellt werden.

Die Zelle ist einer der seltenen Orte, in denen junge und auch ältere Menschen die Möglichkeit haben, selbstbestimmtes Leben und Lernen zu praktizieren. Sie ist ein Raum, in dem Formen der Zusammenarbeit, der Entscheidungsfindung und des Umgangs miteinander ausprobierte werden können, die von heute geltenden Normen abweichen. In der Zelle ist sehr viel von dem, was wir uns für das Bildungswesen unserer Träume vorstellen, schon Wirklichkeit.

In der Zelle funktioniert Lernen gemeinschaftlich und solidarisch statt allein und in ständiger Konkurrenz zu einander. Alle lernen gemeinsam und von einander, was es zur Zelle und zur Organisation vielfältiger Veranstaltungen zu wissen gibt. Auch bietet die Zelle jungen Menschen die Möglichkeit, für sich und andere die Bildungsangebote zu schaffen, die sie selbst haben wollen, wie etwa aktuell die Vortragsreihe Basics. Selbstverständlich bietet die Zelle auch Gelegenheit sich auszuleben, Neues auszuprobieren, kreativ zu sein und eigenverantwortlich zu planen und zu gestalten.

All dies vermissen wir im bestehenden Bildungssystem und auch sonst in der bestehenden Gesellschaft. Deshalb dürfen wir es nicht zu lassen, dass ein paar Bürokraten, die keine Ahnung von der Zelle haben und für die Chaos, Vielfalt und Unbekanntes nur Schlechtes bedeuten, uns diesen wichtigen Raum wegnehmen.

Denn auch wenn die Stadtverwaltung die Zelle wahrscheinlich nicht ganz abschaffen will, wäre einen Zelle nach den Wünschen der Stadtverwaltung nicht mehr unsere Zelle.

Deshalb: Solidarität mit der Zelle!

Selbstverwaltete Jugend- und Kulturarbeit unterstützen statt verhindern!

Selbstverwaltung in allen Lebensbereichen durchsetzen!

Solidarische Grüße

Die Bildungsstreikgruppe Reutlingen

Zelle bleibt!!!!!!

Advertisements




17 11 2011

Bildungsstreik am 17. November in Reutlingen

Anlässlich des bundesweiten Bildungsstreiks am 17. November fand auch in Reutlingen eine Demonstration statt. Gegen 9 Uhr fanden sich trotz klirrender Kälte circa 100 Menschen aus der Region Reutlingen/Tübingen auf dem Marktplatz zusammen, um sich für umfassende Veränderungen im Bildungssystem stark zu machen. In der Auftaktkundgebung wurde die grundlegende Kritik der Bildungsstreikgruppe Reutlingen am bestehenden Bildungssystem dargelegt. Es geht den SchülernInnen nicht allein um oberflächliche Veränderungen, sondern die Kritik geht tiefer:

Sie wollen ein Lernen, das Raum für individuelle Entfaltung bietet und zum kritischen und reflektierten Nachdenken anregt, statt die Lust am Lernen durch aufgezwungene Lerninhalte und permanenten Leistungsdruck abzutöten.

Im Anschluss setzte sich die Demonstration in Bewegung, zog lärmend am Friedrich-List-Gymnasium vorbei zur nächsten Kundgebung am Isolde-Kurz-Gymnasium, wo auf die unzureichende Finanzierung des Bildungswesens aufmerksam gemacht wurde. Dann ging es weiter zu den Berufsschulen, wo sich spontan etliche Schüler dem Demonstrationszug anschlossen. Am Bahnhof vorbei zogen die Streikenden zurück in die Wilhelmstraße, wo bei der Nikolaikirche eine weitere Kundgebung stattfand. Hier wurde die Funktion der Schule für die Ausbildung im Sinne von Staat und Wirtschaft thematisiert und für eine ganz andere, selbstbestimmte Bildung geworben. Abgeschlossen wurde die Demo am Johannes-Kepler-Gymnasium mit dem Aufruf weiter aktiv zu bleiben im Einsatz für ein besseres Bildungssystem.

Trotz der kurzfristigen Mobilisierung und verbesserungsfähiger Teilnehmerzahl war die Demonstration gelungen und es kam deutlich zum Ausdruck, dass es den Streikenden um grundsätzliche Veränderungen und keineswegs um Schule schwänzen geht.

 

Bildungsstreikgruppe Reutlingen





Bildungstreik am 17. November! Reutlingen streikt!

11 11 2011

Am 17. November wird in Reutlingen der Bildungsstreik mit Kundgebungen und einer Demonstration stattfinden. Treffpunkt ist um 8:45 Uhr auf dem Reutlinger Marktplatz. Da in Tübingen anscheinend leider keine Aktionen stattfinden, rufen wir alle Interessierten aus Tübingen auf, nach Reutlingen zu kommen. Treffpunkt für die Zugfahrt nach Reutlingen ist um 8:00 am Tübinger Hauptbahnhof.

Kommt zahlreich, um zu zeigen was ihr von diesem Bildungssystem haltet und was ihr euch an seiner Stelle wünscht.

Hier noch mal der Flyertext:

Warum Bildungsstreik?

Wir streiken weil:

  • wir gemeinsames und solidarisches Lernen wollen, statt Erziehung zum Konkurrenzkampf
  • eine gleichberechtigte Gesellschaft gleiche Bildungsmöglichkeiten für alle braucht.
  • weil es ohne ein demokratisches Bildungssystem keine wahrhaft demokratische Gesellschaftgeben kann.
  • Weil bisherige Mitbestimmungsmöglichkeiten meist nicht mehr sind als Alibis
  • Weil unser Benotungs- und Einteilungssystem der Bildung schadet und nur den Interessen von Staat und Wirtschaft nach einer sozial gestaffelten Gesellschaft dient.
  • Ausbildung zu optimal verwertbarem Rohmaterial nach den Vorstellungen von Wirtschaft und Staat nicht das ist, was wir uns unter Bildung vorstellen
  • weil stumpfes Auswendiglernen und Wiederkäuen vorgegebener Inhalte zu unserer Vorstellung von Bildung als Mittel zum freien und kritischen Denken im Widerspruch steht.
  • wir unsere Unzufriedenheit nicht stumm in uns hinein fressen, sondern sie laut heraus schreien wollen, damit unsere Meinung Gehör findet.

Darum Bildungsstreik!

 

Wir sehen uns auf der Straße!!!

Bildungsstreik Reutlingen





Ja, ich kann! Selbsterfüllende Vorurteile gegenüber sich selbst

20 05 2010

Ich check das nicht, he was? Boahr ich hab kein bock mehr…

Wem geht es nicht so, man kann nicht alles auf Anhieb verstehen.  Das ist vollkommen menschlich. Wenn es dann mal nicht klappt, dann verlier ich schnell die Lust. Doch wieso ist das so? Denn wenn ich mich an meine Kindheit zurückerinner, da wollte ich unbedingt alles herausfinden, ja habe mich sogar im Kindergarten rießig darauf gefreut in die Schule zu kommen… Unvorstellbar für mich heute, da ich meine Hausaufgaben meistens  nur noch Abschreibe, wenn ich sie überhaupt mache. Man merkt es vielleicht nicht gleich, weil es Alltag und somit normal für einen ist. Aber dass die Schule uns flächendeckend demotiviert, ist nicht nur eine alte Binsenwahrheit, sondern mittlerweile von führenden (Neuro)Psychologen annerkannt und erforscht. Zum Beispiel von Professor Dr. Spitzer. Die Schule und das Notensystem führen dazu, dass Viele negative Vorurteile gegenüber sich selbst entwickeln und glauben, dass sie etwas nicht können. So z.B. 2 alte Klassenkameraden von mir, beide haben mittlerweile eine Klasse widerholt und die Schule gewechselt. Unsere damalige Mathelehrerin hatte zu dem einem ernsthaft gesagt „Du wirst mal Müllmann“ und zum anderem, dass er Lokomotivführer werden würde. Sie meint wohl diese Berufe seien nicht anspruchsvoll und, dass die Beiden an dieser Schule nichts zu suchen hätten.
Wenn einem immer wieder gesagt wird, dass man etwas nicht kann oder nur minder qualifiziert wäre, weil man „nur“ eine 3 oder schlechter geschrieben hat, nimmt das einem die Lust und den Spaß!
Im folgendem Video ( 15 min) erklärt Spitzer, wie krass sich das auswirkt und was man dagegen für sich selbst unternehmen kann.

Teil 1

Teil 2