Bericht zum Leseflashmob am 19. März

26 03 2010

Freitag Nachmittag ist in der unteren Wilhelmstraße in Reulingen ein hektische Zeit. Viele Leute laufen eilig Richtung Marktplatz oder Richtung Karlstraße, Leute gehen zum Einkaufen oder kommen gerade von dort, manche kaufen auch direkt an Ort und Stelle ein. Die Atmosphäre ist trotz der Frühlingstemperaturen eher gehetzt als entspannt, die meisten Passanten wollen zügig von A nach B kommen, kaum jemand hält sich hier auf der Straße länger auf.

Daher ist es nicht verwunderlich, dass 50 junge Menschen, die plötzlich anfangen laut aus verschiedensten Büchern vorzulesen, von Dramen und Romanen über historische und politische Werke bis hin zu Schul- oder Handbüchern, für einige Verwirrung sorgen. Was machen die denn da? Was soll denn der Scheiß? Ist das eine Demonstration? Oder einer dieser Flashmobs? Diese und weiter Fragen werden sich die Menschen, die während der dreiminütigen, vielstimmigen Lesung die untere Wilhelmstarße passierten, gestellt haben.

Letzteres trifft es ziemlich gut, es war ein Leseflashmob, erdacht von der Reutlinger Bildungsstreikgruppe. Typisch für ein Flashmob machte hier eine Gruppe Menschen etwas, das an diesem Ort zu dieser Zeit niemand erwarten würde. Grund dafür war sowohl der Spaß an der Aktion als auch der Wunsch zu verwirren und zum Nachdenken anzuregen. Was bedeutet Lesen? Ist Lesen wichtig? Warum ist es ungewöhnlich auf einer Straße in der Innenstadt laut zu lesen? Wie sehr bestimmen uns mehr oder weniger sinnvolle gesellschaftliche Normen bei unserem Handeln und Wahrnehmen?

Allerdings ist Demonstration auch kein falscher Gedanke. Denn zum einen kann mensch das praktizierte Hinterfragen von Regeln durchaus als  politische Aktion bezeichnen, zum Anderen war auch etwas politische Botschaft im Spiel. So wurde ein Transparent mit einer Aufforderung von der großartigen Fähigkeit lesen zu können Gebrauch zu machen aufgehängt. Außerdem wurden an die Menschen, aus deren Verwirrung Interesse geworden war, Flyer mit der Forderung „Selbstbestimmt Lesen und Lernen“ und dem Termin des nächsten Bildungsstreiks verteilt.

Abschließend lässt sich sagen, dass der Leseflashmob eine spaßige, interessante, angenehm provokante und keineswegs unpolitische Aktion war. Wiederholungen sind daher nicht auszuschließen.

P.S.: Unter diesem Link gibt es ein Video vom Flashmob.

http://www.youtube.com/watch?v=nCx4-3-uhQI
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